"Lohnt sich die Reparatur überhaupt, oder soll ich gleich neu kaufen?" Diese Frage hören wir mehrmals pro Woche. Die ehrliche Antwort lautet: meistens lohnt sie sich, manchmal nicht. Hier sind die Faustregel und vier echte Beispiele aus unserer Praxis — damit Sie selbst entscheiden können.
Die 30-Prozent-Regel
Unsere einfache Faustregel: Wenn die Reparatur weniger als 30 % des Neupreises eines vergleichbaren Möbels kostet und der Rest des Möbels strukturell intakt ist, lohnt sich die Reparatur. Über 30 %: meistens neu kaufen. Über 50 %: praktisch immer neu kaufen, ausser bei Erbstücken oder Möbeln mit emotionalem Wert.
Aber: Diese Regel gilt nur für einfache Spanplatten- und Mid-Range-Möbel. Bei Massivholz (echte Eiche, Buche, Nussbaum) sieht die Rechnung anders aus — gutes Massivholz hält 30+ Jahre, eine Reparatur lohnt sich auch noch bei 60 % der Neupreises.
Beispiel 1: IKEA PAX-Schiebetür defekt
Schaden: Die obere Laufrolle einer Schiebetür bricht. Tür hängt schief und schliesst nicht mehr.
Reparaturkosten: 1 Laufrolle CHF 8.– (IKEA Ersatzteildienst), Montage 1 Stunde = CHF 60.–. Total CHF 68.–.
Neukauf: Eine neue PAX-Schiebetür mit gleicher Front kostet CHF 180–240.
Verdict: Reparatur klar günstiger, dauert 24 Stunden inklusive Lieferung des Ersatzteils. Lohnt sich.
Beispiel 2: Schubladenschiene gebrochen
Schaden: Die innere Auszugsschiene einer Küchenschublade ist gebrochen — wahrscheinlich durch Überlastung.
Reparaturkosten: Standard-Vollauszug Blum oder Hettich CHF 35–50, Einbau ca. 40 Minuten = CHF 40.–. Total CHF 75–90.–.
Neukauf: Wenn die Küche noch verfügbar ist: eine neue Schublade komplett ca. CHF 150–250. Wenn die Küche älter ist und nicht mehr im Programm: gar nicht möglich oder nur über Sonderanfertigung (CHF 400+).
Verdict: Reparatur lohnt sich fast immer. Bei einer 10 Jahre alten Küche, deren Modell nicht mehr verfügbar ist, ist die Reparatur sogar die einzige Option (ausser kompletter Küchenwechsel).
Beispiel 3: Polstersofa, Federbruch im Sitz
Schaden: Mehrere Sitzfedern eines mittelteuren Polstersofas (CHF 1200 Neupreis) sind gebrochen, der Sitz fühlt sich durchgesessen an.
Reparaturkosten: Polsterer-Werkstatt: Federn ersetzen, neu polstern, mit altem Bezug = CHF 600–800. Mit neuem Bezug ca. CHF 1100–1400.
Neukauf: Ein vergleichbares neues Sofa kostet heute CHF 1100–1500.
Verdict: Reparatur nur bei Sofas mit emotionalem Wert oder bei hochwertigen Designerstücken. Bei einem Standard-Sofa lieber neu kaufen — die Reparaturkosten haben fast immer die 50%-Schwelle überschritten. Strukturreparaturen am Holzgestell hingegen (lockere Verbindungen, gebrochene Lattenroste) sind günstig und lohnen sich.
Beispiel 4: Massivholz-Esstisch mit tiefem Kratzer
Schaden: Massivholz-Eichentisch (Neupreis CHF 1800), 3 Jahre alt, hat einen tiefen Kratzer von einem Glas Wein-Schraubenzieher quer über die Mitte der Platte.
Reparaturkosten: Schreiner schleift die Platte ab, ölt sie neu = CHF 280–380. Bei einem grosse Tisch ggf. mehr.
Neukauf: Vergleichbarer Tisch CHF 1500–2200.
Verdict: Reparatur zu 100 % lohnenswert. Massivholz wird mit jeder Schleifung sogar schöner — die Patina bleibt, der Kratzer ist weg. Ein 30 Jahre alter Eichentisch, der drei Mal abgeschliffen wurde, ist mehr wert als ein neuer.
Wann sich Reparatur nie lohnt
- Spanplatten-Korpus mit Wasserschaden: die Spanplatte quillt auf, das Material ist strukturell zerstört. Kein Kleben, kein Spachteln hilft.
- Billig-Möbel mit ausgerissenen Verbindungen: bei einem CHF 200 Schrank lohnt es sich nicht, 80 Franken in eine Reparatur zu stecken, die nur eine Schwachstelle behebt — die nächste Stelle bricht in 6 Monaten.
- Furnierte Möbel mit grossflächigen Beschädigungen: ein einzelner aufgeplatzter Furnierabschnitt ist reparabel. Mehrere Stellen über die ganze Fläche: nicht.
Die ehrliche Empfehlung
Schicken Sie uns einfach ein Foto vom Schaden per WhatsApp — wir sagen Ihnen ehrlich, ob es sich lohnt oder nicht. Wenn ja, nennen wir den Preis. Wenn nein, sagen wir es Ihnen direkt, ohne dass wir extra für eine Beratung etwas verrechnen. Unser Ziel ist nicht, jede Reparatur anzunehmen — sondern dass Sie am Ende ein Möbel haben, das wieder funktioniert oder dass Sie wissen, woran Sie sind.